... am richtigsten sind sie (Anm. die Rhöngebirge) in zwei Homannischen Karten von Fulda, Ober- und Unterfulda, vorgestellet; wo auch nur dasjenige Rhön genennet wird, welches in diesem Aufsatze als ein aneinander hängendes Gebirge beschrieben ist; so viel man nemlich auf dem Schlosse Lichtenberg (Anm. bei Ostheim) von der Ostseite, wo die wenigsten Berge vorliegen, der Länge nach sehen kann, welches mit dem Sprachgebrauch völlig übereinstimmet. Im gemeinen Leben sagt man: Sondheim, Urspringen, Stetten Hausen, Molpers liegen vor der Rhön; Erbenhausen, Reichenhausen, Kaltensondheim, Mittelsdorf, Kereßheim, Oberweid, Simmershausen, Hilders liegen an der Rhön; Wüstensachsen, Melpers, Seiferts liegen im tiefen Rhöntal, Gersfeld hinter der Rhön, Bischofsheim an der Rhön...
Auszug aus "Montes Rhoenani," Beschreibung des Rhöngebirges aus dem Jahre 1785, verfasst von Thon von Ostheim, Kommissionsrat und Amtmann in Ostheim
Die Beschreibung des Thon von Ostheim macht eines deutlich: es ist gar nicht so einfach, die geografische Ausdehnung der Rhön zu beschreiben. Sie trifft aber genau auf den Höhenzug "Lange Rhön" zu, den die Bewohner von Ostheim oder Bad Neustadt, ja selbst die Fladunger oder Stettener meinen wenn sie sagen, "sie gehen auf die Rhön."
Thon von Ostheim hat im wesentlichen die Orte genannt, die sich noch heute "an der Rhön" und "vor der Rhön" nennen. Damit ist eigentlich fast alles gesagt, fehlen nur noch die "auf der Rhön" gelegenen Orte. Nun, es sind die beiden thüringischen Orte Frankenheim und Birx, die einzigen, die heute noch "auf der Rhön" liegen. Bis zum Dreißigjährigen Krieg mag das anders gewesen sein, da gab es noch weitere Ortschaften auf den Höhen der Rhön.
Wer wohnt nun eigentlich in der Rhön? Das wollen wir feststellen, wenn wir uns auf die Tour begeben.
Übersichtskarte
Mit dem Rennrad geht es von Ostheim auf der Bundesstraße 285 (alternativ auf dem asphaltierten Streutal-Radweg (rotes Symbol)) nach Fladungen und weiter über Oberfladungen nach Leubach und Frankenheim. Von dort fährt man auf einem schmalen, wenig befahrenen Sträßchen ins Tal der Ulster nach "Hilders an der Rhön" und weiter Ulstertal aufwärts nach "Seiferts im tiefen Rhönthal." Danach durch "Wüstensachsen im tiefen Rhönthal" hindurch und ca. 300 m nach dem Ortsende auf die zur Wasserkuppe und nach Gersfeld führende Straße.
Auf der Passhöhe geht es rechts zum höchsten Gipfel der Rhön, der Wasserkuppe. Es sind noch rund 100 Höhenmeter und ca. 1. 5 km zum höchsten Punkt der Fahrstraße bei ca. 900 m Höhe.
Auf der schönen langen Abfahrt wird einem klar, warum Thon von Ostheim Gersfeld als "hinter der Rhön" liegend bezeichnet hat. Aber auch das darauffolgende Ziel, Bischofsheim, liegt von Gersfeld aus betrachtet, hinter der Rhön, was man beim nächsten Anstieg vielleicht bedauert!
Man fährt von Gersfeld nicht auf der Bundesstraße 279 nach Bischofsheim, sondern wählt als Orientierung das Zeichen des hessischen Fernradweges R 1 (Orientierung ab Bahnhof), der steil aus Gersfeld hinaus zum Parkplatz Schwedenwall führt. (Eine wenig steilere Alternative verläuft auf der Straße und führt über Mosbach)
Nun geht es die "Kniebreche" hinunter nach Bischofsheim an der Rhön." Weiter fährt man in Richtung "Nordheim vor der Rhön" über Weisbach und Sondernau nach Oberelsbach, das zwar an der Rhön gelegen von sich sagt, dass es Inmitten des Biosphärenreservates Rhön liegt.
Ab hier folgen wir der Beschilderung nach "Ostheim vor der Rhön." Vor Oberwaldbehrungen biegen wir nach rechts ab und fahren nach Unterwaldbehrungen. Hier folgen wir dem Schild Mellrichstadt, erklimmen die Flanke des Heidelberges und biegen dann dem Schild "Ostheim" folgend zurück zu unserem Ausgangspunkt.
Und nun können wir endlich Frage beantworten, wer eigentlich "in der Rhön" wohnt: es sind alle die Menschen in den Orten, durch die wir mit unserem Rad soeben gefahren sind. Und noch einige mehr.
(2003) jochen heinke